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Drehtorantrieb für nach außen öffnende Tore: Bauformen, Einbaumaße und Montage
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Inhalt 9 Abschnitte
Was sich bei nach außen öffnenden Drehtoren ändert
Manche Montageanleitungen für Drehtorantriebe gehen von einem Tor aus, das in das Grundstück hinein öffnet. Die Anleitung zum Unterflurantrieb twist UG legt das ausdrücklich fest: Die Antriebe befinden sich zwischen den Pfosten innerhalb des Grundstücks, das Tor öffnet sich in das Grundstück (SOMMER twist UG-Anleitung).
Für Tore, die nach außen schwenken, enthalten einige Anleitungen eigene Abschnitte, zum Beispiel Kapitel 9.4 „Nach außen öffnende Tore“ in der Berner DX524-Anleitung, die Einbausituation „Tor nach außen öffnen“ in der SOMMER twist 350-Anleitung und Kapitel 6 zu nach außen öffnenden Toren in der Berner DA20/DA40-Anleitung. Die dort beschriebenen Abweichungen betreffen die Einbaumaße, die Beschläge, die Durchfahrtsbreite, den elektrischen Anschluss und die Endlagen.
Antriebsbauformen für Drehtore
Für Drehtore beschreiben die Hersteller drei Bauformen:
- Spindel- oder Linearantrieb: Ein Schubrohr fährt aus dem Antrieb aus und wieder ein und öffnet oder schließt so den Torflügel (SOMMER twist 350-Anleitung). Der Antrieb wird über einen Beschlag am Pfeiler oder Pfosten und eine Spindelbefestigung am Tor angebaut (Hörmann RotaMatic-Anleitung).
- Gelenkarmantrieb: Beim VersaMatic wird die Bewegung wahlweise über einen Gelenkarm oder eine Gleitschiene auf den Flügel übertragen; der Antrieb lässt sich längs und quer anbauen (Hörmann VersaMatic-Anleitung).
- Unterflurantrieb: Der Antrieb sitzt in einem Fundamentkasten im Boden; der Zapfen des Kastens muss mit der Achse des Scharniers fluchten (Nice LFAB-Anleitung).
Die Abschnitte für nach außen öffnende Tore, die dieser Artikel zitiert, stammen aus Anleitungen für Antriebe, die am Pfeiler und am Flügel befestigt werden. Die Anleitungen zum VersaMatic und zum LFAB enthalten keinen eigenen Abschnitt zu dieser Einbaulage. Ob ein bestimmtes Modell nach außen öffnende Tore unterstützt, steht deshalb in der Anleitung genau dieses Modells.
Einbaumaße: A- und B-Maß bei Öffnung nach außen
Bei Spindelantrieben legen das A-Maß und das B-Maß fest, wo der Antrieb am Pfosten eingehängt wird. Die Hersteller geben dafür Tabellen an, aus denen sich je Maßkombination der größtmögliche Öffnungswinkel ablesen lässt. Für die Einbausituation „Tor nach außen öffnen“ verlangt SOMMER, die Maße zu vertauschen: Das A-Maß entspricht dann dem B-Maß der Tabelle und das B-Maß dem A-Maß; die Pfosten- und Pfeilerbeschläge werden nach diesen Maßen ausgelegt (SOMMER twist 350-Anleitung).
Berner nennt für den DX524 auch bei nach außen öffnenden Toren ein A- und B-Maß zwischen 150 und höchstens 225 mm, abhängig von der Torbreite. Der Schnittpunkt von A und B ergibt den Einhängepunkt des Antriebs, eine Verlängerung (Maß C) wird bauseits hergestellt (Berner DX524-Anleitung).
Die Beschläge passen in dieser Einbaulage nicht immer ab Werk. Laut SOMMER sind die abgebildeten Torpfostenbeschläge nur Beispiele; sie müssen von Tor- oder Metallbauern je nach Größe des Tores und der Pfosten individuell angefertigt werden (SOMMER twist 350-Anleitung).
Für den twist 350 zeigt SOMMER außerdem, was eine falsche Beschlaglage bewirkt: Sitzen der Drehpunkt des Antriebs und das Torband in einer Linie (A-Maß = 0), lässt sich der Antrieb keine 90° mehr öffnen. Der Drehpunkt muss nach den Vorgaben der A-/B-Maßtabelle versetzt zum Torband montiert werden (SOMMER twist 350-Anleitung).
Platzbedarf, Durchfahrt und Schwenkbereich
Für die Einbausituation „Tor nach außen öffnen“ weist SOMMER darauf hin, dass die Antriebe je nach Einbausituation etwa 180 mm pro Seite in die Durchfahrt ragen und die Durchfahrtsbreite verringern (SOMMER twist 350-Anleitung). Diesen Wert sollten Sie bei schmalen Einfahrten vor der Wahl des Antriebs gegen die benötigte Durchfahrtsbreite rechnen.
Beim Öffnen und Schließen dürfen sich keine Personen, Kinder, Tiere oder Gegenstände im Bewegungsbereich des Tores befinden, und die Sicherheitsabstände zwischen Torflügel und Umgebung sind nach EN 12604 einzuhalten (SOMMER twist 350-Anleitung). Bei einem nach außen öffnenden Tor liegt dieser Bewegungsbereich vor dem Grundstück.
Grenzt die Einfahrt an eine öffentliche Straße oder einen Gehweg, schwenkt der Flügel beim Öffnen über diese Fläche. SOMMER schließt das in der Anleitung zum twist UG aus: In öffentliche Fußwege und Straßen dürfen keine Teile hineinragen, auch nicht während der Torbewegung (SOMMER twist UG-Anleitung). Planen Sie den Schwenkbereich deshalb vollständig auf dem eigenen Grundstück. Auch das Straßenrecht kennt diese Frage: Nach der Verfahrensbeschreibung der Stadt Heidelberg (Rechtsgrundlage §§ 16–19 Straßengesetz Baden-Württemberg) ist in der Regel eine Sondernutzungserlaubnis nötig, wenn eine Straße über den Gemeingebrauch hinaus genutzt wird; das gilt auch für den Luftraum über der Straße. Zuständig ist bei Gemeindestraßen die Gemeinde (Stadt Heidelberg, Sondernutzung). Grenzt Ihre Einfahrt direkt an Gehweg oder Straße, klären Sie die Planung vorab mit der zuständigen Stelle.
Für Toranlagen im öffentlichen Bereich gilt zudem ein Herstellerhinweis: Verfügen sie nur über eine Schutzeinrichtung, zum Beispiel eine Kraftbegrenzung, dürfen sie nur unter Aufsicht betrieben werden (Hörmann RotaMatic-Anleitung).
Gefälle und Steigung im Schwenkbereich
Ob ein Tor mit Steigung oder Gefälle automatisiert werden darf, legt jede Anleitung selbst fest. Für den RotaMatic ist der Einsatz an Toren mit Steigung oder Gefälle bis höchstens 6° zulässig, aber nur mit dem Beschlags-Set für steigende Bänder. Das Tor ist dann bauseits gegen selbstständiges Zufallen zu sichern, zum Beispiel mit einem einseitig wirkenden Bremszylinder oder einer Zugfeder (Hörmann RotaMatic-Anleitung).
Andere Antriebe lassen keine Torsteigung zu: Die technischen Daten nennen 0 % für den twist 350 (SOMMER twist 350-Anleitung) und ebenso für den Unterflurantrieb twist UG (SOMMER twist UG-Anleitung). Steigt das Gelände vor dem Grundstück an, prüfen Sie deshalb vor dem Kauf, ob das gewählte Modell eine Steigung überhaupt erlaubt.
Anschluss und Endlagen: was sich umkehrt
Bei der Einbausituation „Tor nach außen öffnen“ weicht beim twist 350 der Anschluss vom Standardanschluss ab; die Anleitung enthält dafür ein eigenes Anschlussbild. Außerdem ist die Logik der Endschalter vertauscht: Die Endlage „Tor AUF“ wird über die Schraube „close“ eingestellt, die Endlage „Tor ZU“ über die Schraube „open“ (SOMMER twist 350-Anleitung).
Berner beschreibt für DA20/DA40 den Grund: Bei nach außen öffnenden Toren wird die Endlage Tor-Zu bei eingefahrener Spindel angefahren, deshalb muss der Endschalter in Richtung Antriebsmotor verstellt werden. Weil der Endschalter nicht über den vollen Spindelhub einstellbar ist, empfiehlt Berner Endanschläge (Berner DA20/DA40-Anleitung).
SOMMER schreibt für den twist 350 einen mechanischen Anschlag in den Endlagen Tor AUF und Tor ZU zwingend vor. Ein Bodenanschlag oder eine Anschlagleiste am Tor ist bei Torflügeln über 3 m Länge und bei zweiflügeligen Toren anzubringen (SOMMER twist 350-Anleitung).
Montage nach Herstelleranleitung
Vor der Montage muss das Tor mechanisch einwandfrei sein und sich von Hand leicht öffnen und schließen lassen (EN 12604). Mechanische Verriegelungen, die für den Antriebsbetrieb nicht gebraucht werden, sind außer Betrieb zu setzen oder zu demontieren, und Gelenke, Lager und Befestigungsteile werden auf Verschleiß, Rost und Risse geprüft (Hörmann RotaMatic-Anleitung).
Die Reihenfolge der Montageschritte ist je Modell verschieden. Als belegtes Beispiel die Beschlagmontage des twist 350, gekürzt:
- Tor von Hand schließen.
- A- und B-Maße mit der A-/B-Maßtabelle abgleichen (bei Öffnung nach außen vertauscht, siehe oben).
- Pfosten- oder Pfeilerbeschlag provisorisch fixieren, zum Beispiel mit einer Schraubzwinge, Einbausituation und Einbaumaße prüfen, dabei mindestens 50 mm Abstand zum Boden einhalten, dann den Beschlag befestigen.
- Tor von Hand in die gewählte Position „Tor AUF“ bringen und den größtmöglichen Öffnungswinkel aus der Tabelle beachten.
- Antrieb am Pfostenbeschlag einhängen und mit einer Schraube sichern, Schubrohr herausdrehen, Torflügelbeschlag am Schubrohr und provisorisch am Tor fixieren.
- Antrieb entriegeln, Tor von Hand schließen, das Maß C1 einstellen und die waagrechte Ausrichtung in den Stellungen „Tor AUF“, „Tor ZU“ und 45° geöffnet prüfen.
- Torflügelbeschlag endgültig befestigen.
Quelle der Schritte ist die SOMMER twist 350-Anleitung. Dieselbe Anleitung verlangt, je nach Toröffnung nach innen oder außen eine passende Kabelreserve am Antrieb vorzusehen.
Den Netzanschluss eines Torantriebs übernimmt immer eine Elektrofachkraft.
Lassen Sie Elektroanschlüsse nur von einer Elektrofachkraft ausführen; bei ortsfestem Netzanschluss ist eine allpolige Netztrenneinrichtung mit Vorsicherung vorzusehen (Hörmann RotaMatic-Anleitung).
Nach dem Einbau muss die für den Einbau verantwortliche Person gemäß Maschinenrichtlinie 2006/42/EG eine EG-Konformitätserklärung für die Toranlage ausstellen sowie CE-Zeichen und Typenschild anbringen. Das gilt laut SOMMER auch im Privatbereich und auch dann, wenn der Antrieb an einem handbetätigten Tor nachgerüstet wird (SOMMER twist 350-Anleitung).
Quellen
- SOMMER: Original Montage- und Betriebsanleitung Drehtorantrieb twist 350 / twist 350 rapido / twist 350+, abgerufen am 07.10.2026
- Berner: Anleitung für Montage, Betrieb und Wartung Drehtorantrieb DX524, abgerufen am 07.10.2026
- Berner: Anleitung für Montage, Betrieb und Wartung Drehtorantrieb DA20/DA40 (Rev. 1.2, 08.2014), abgerufen am 07.10.2026
- SOMMER: Original Montage- und Betriebsanleitung Drehtorantrieb twist UG / twist UG+, abgerufen am 07.10.2026
- Hörmann: Anleitung für Montage, Betrieb und Wartung Drehtor-Antrieb RotaMatic (TR10A269-A, 05.2017), abgerufen am 07.10.2026
- Hörmann: Anleitung für Montage, Betrieb und Wartung Drehtor-Antrieb VersaMatic (TR10A215-C, 04.2017), abgerufen am 07.10.2026
- Nice: LFAB4024 / LFAB4000 / XLFAB5024 / LFAB4024HS – Automatisierung für Drehtore, Installierungs- und Gebrauchsanleitungen, abgerufen am 07.10.2026
- Stadt Heidelberg: Sondernutzung von Straßen innerhalb der Ortschaft – Erlaubnis beantragen (Verfahrensbeschreibung), abgerufen am 07.10.2026
Häufige Fragen zu nach außen öffnenden Drehtorantrieben
Kann jeder Drehtorantrieb an einem nach außen öffnenden Tor montiert werden?
Nicht ohne Prüfung. Einige Anleitungen beschreiben diese Einbaulage ausdrücklich, etwa SOMMER mit der Einbausituation „Tor nach außen öffnen“ (SOMMER twist 350-Anleitung). Die Anleitung zum twist UG geht dagegen von einem Tor aus, das sich in das Grundstück öffnet (SOMMER twist UG-Anleitung). Maßgeblich ist die Anleitung des gewählten Modells.
Was ändert sich bei den Einbaumaßen?
Beim twist 350 werden A- und B-Maß gegenüber der Tabelle vertauscht, und die Pfostenbeschläge müssen je nach Tor und Pfosten individuell angefertigt werden (SOMMER twist 350-Anleitung).
Verringert der Antrieb die Durchfahrtsbreite?
Ja, das ist möglich. SOMMER nennt für die Öffnung nach außen etwa 180 mm pro Seite, um die die Antriebe je nach Einbausituation in die Durchfahrt ragen (SOMMER twist 350-Anleitung).
Warum muss ich die Endlagen anders einstellen?
Bei nach außen öffnenden Toren wird die Endlage Tor-Zu bei eingefahrener Spindel erreicht; deshalb wird der Endschalter anders verstellt, und Berner empfiehlt Endanschläge (Berner DA20/DA40-Anleitung).
Darf das Tor über den Gehweg schwenken?
SOMMER verbietet es in der twist-UG-Anleitung: In öffentliche Fußwege und Straßen dürfen keine Teile hineinragen, auch nicht während der Torbewegung (SOMMER twist UG-Anleitung). Unabhängig davon ist nach der Heidelberger Verfahrensbeschreibung in der Regel eine Sondernutzungserlaubnis nötig, wenn eine Straße über den Gemeingebrauch hinaus genutzt wird, einschließlich des Luftraums darüber (Stadt Heidelberg, Sondernutzung). Fragen Sie vor der Planung bei Ihrer Gemeinde nach.
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